ROBERTO FONSECA auf Europatournee

Do, Jan 12, 2012

Roberto Fonseca

ROBERTO FONSECA auf Europatournee

Der Buena Vista Social Club lässt grüßen. Denn als der große Ruben Gonzalez 2003 starb, rückte der junge Roberto Fonseca, der das Orchester der kubanischen Granden länger schon begleitet hatte, als vollwertiges Mitglied nach und avancierte in der Folgezeit zu einem musikalischen Highlight des in wechselnden Besetzungen weltweit tourenden Ensembles, zuletzt als Arrangeur und Pianist der Band(s) von Ibrahim Ferrer und Omara Portuondo.

Roberto Fonseca, 1975 in Havanna geboren, gilt als der bedeutendste Pianist seiner Generation. 1990, als er gerade fünfzehn war, trat er beim International Jazz Plaza Festival auf und begeisterte die Fachpresse. 1996 wurde er Mitglied der Band des Sängers Augusto Enriquez und 1997 gründete er mit Javier Zalba die Gruppe Temperamento. Von 1999 bis 2001 nahm er eigene Kompositionen auf und kooperierte bei Platteneinspielungen mit internationalen Künstlern. So spielte er u.A. den Soundtrack des Filmes „Black“ des Franzosen B. Maraval ein.

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Seit Beginn seiner internationalen Karriere erstaunt der Musiker Publikum wie Kritiker mit seiner einzigartigen Kombination aus Virtuosität, Charisma und Authenzität. Er begleitet die alten Heroen wie Omara Portuondo, Guajiro Mirabal oder Cachaito Lopez und hat einen kaum zu überschätzenden Anteil an der Entwicklung der aktuellen kubanischen Musik.

Darüber hinaus musizierte Fonseca mit den amerikanischen Jazzstars Herbie Hancock, Wayne Shorter, Michael Brecker und Brian Blade. Unerschöpflich scheint das Reservoire und die schöpferische Energie dieses Menschen. Er flirtet mit Jazz, Jungle, drum’n’bass, Klassik und Soul und hat dabei doch die kubanische Musik wie kaum ein anderer studiert. Er liebt das perkussive Element und verleugnet an keiner Stelle die afro-kubanischen Wurzeln seines Spiels.

Es ist nicht allein das musikalische Können, das das Spiel von Roberto Fonseca auszeichnet, es ist auch das Studium der an Zitaten reichen kubanischen Musik, ihrer vielfältigen Einflüsse und das Wissen um all jene Erkundungen, die geradewegs in die Zukunft führen.

Im Frühjahr 2007 erschien endlich Roberto Fonseca´s Debut-Album für den internationalen Markt mit dem Titel „ZAMAZU“ (Enja Records/ VÖ 20.02.2007)

Pünktlich zur CD folgte eine Tournee, die Fonseca durch ganz Europa führte. Im Herbst geht Fonseca mit seinem neuen Album “AKOKAN” auf Tournee – die Stationen:

ROBERTO FONSECA GROUP “Akokan”-Tour 2010

20.11.2010 Innsbruck, Treibhaus
22.11.2010 Salzburg Jazzit
24.11.2010 Zürich, Moods

Der mit dem Flügel tanzt

Von Georg Pepl / HNA-Kritik vom 28. Juli 2006

KASSEL. Draußen regnet es sacht, und im voll besetzten Kulturzelt spielt einer, über den die Natur ihre Gaben verschwenderisch ausgeschüttet hat. Ein Topmusiker mit dem Aussehen eines Topmodels – das gibt es fürwahr nicht alle Tage. Auf verwegene Weise trägt der schöne Mann seine Hosenträger: Den einen Träger hat er über die Schulter gespannt, der andere baumelt lässig herab. Doch musikalisch macht er keine halben Sachen. Das Geheimnis seiner Begabung mag simpel klingen: Der kubanische Pianist und Komponist Roberto Fonseca bringt Spielfreude, Virtuosität, Gefühl und Logik unter einen Hut. Jeden Ton spielt er mit absoluter Selbstverständlichkeit, eine ungelenk platzierte Note kann man sich von ihm überhaupt nicht vorstellen. Kein Wunder, dass er vor einigen Jahren zum Mitglied des Buena Vista Social Club berufen wurde und schon mit US-Jazz-Stars wie Herbie Hancock und Michael Brecker auf der Bühne gestanden hat.

Im Kulturzelt baut der 31-Jährige Jazzsoli von vollkommener Stringenz. Er zeigt Herz bei Balladen, wie bei der finalen Zugabe “Somewhere Over the Rainbow”. Da die musikalische Substanz stimmt, kann er sich Griffe in die klassische Effektkiste erlauben, beispielsweise mit der rechten Hand einen Triller über mehrere Takte schlagen und die Melodie in die linke Hand wandern lassen. Und selbst das einfachste Riff heizt er mit einem machtvollen Groove an.

Natürlich sitzt ein solches Rhythmusgenie nicht brav am Instrument. Vielmehr zeigt Fonseca eine lässig-ekstatische Performance als Tastenzauberer, der mit dem Flügel tanzt und – ebenso bezwingend selbstverständlich – auch mal die Melodien mitsingt. Vielgestaltig ist sein kubanisches Geschenk; es gibt sich zuweilen funky, im zweiten Stück des Abends überrascht es durch eine arabische Note. Eine wunderbare Band steht ihm zur Seite: Javier Zalba (Saxofon, Flöte, Klarinette), Omar Gonzáles (Kontrabass), die Percussionisten Emilio del Monte – Vater und Sohn – und der Schlagzeuger Ramsés Rodriguez.

Dies alles ergab ein Konzert der Extraklasse, von den Zuhörern mit größtem Wohlgefallen aufgenommen. Von Nachteil könnte es bloß für die Jazzer gewesen sein, die Kubanisches zur ungroovigen Hintergrundmusik machen. Wer Fonseca und seine Band gehört hat, dürfte in Zukunft auf sie allergisch reagieren.

Kubanischer Stil verwandelt den klassischen Jazz

Sabine Rother – AZ/AN-Kultur aus Aachen, 31.07.2006

Es ist ganz still geworden auf der Burg, niemand rührt sich, selbst die unermüdlichen Bier-, Cola- und Frittenholer stapfen in diesen kostbaren Minuten endlich einmal nicht durch die Reihen der Arena. Und das bewirkt ein einziger Musiker. Roberto Fonseca schenkt den Zuhörern eine zweite Zugabe, allein, ohne seine großartige Band.

Er sitzt am Klavier, tief über die Tasten gebeugt, und improvisiert. Glitzernde, leise Töne, zuerst klassisch, dann zunehmend jazzig, hoch konzentriert. Und ganz allmählich formt er einen Song, den jeder kennt.

«Over the rainbow» – der vielfach interpretierte Jazzstandard, ist nicht nur sein Dankeschön an ein euphorisches Publikum, er wirkt auch wie eine liebevolle Hommage für all jene, die Fonseca auf seinem Weg begleitet haben.

Der junge Kubaner, 1975 in Havanna geboren, gilt heute bereits als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation.
Vor fünf Jahren holte ihn Ibrahim Ferrer in den legendären Buena Vista Social Club, wo er der Nachfolger des großen Rubén Gonzáles und jüngster Solostar des Clubs wurde.

Inzwischen gibt es die Roberto Fonseca Group, die nach ihrem berührenden Auftritt 2005 – ein Tag nach Ferrers Tod – auch in diesem Jahr wieder der Einladung zum Festival auf Burg Wilhelm-stein folgte.

Natürlich beschäftigen ihn die vielschichtigen Einflüsse seiner kubanischen Heimat, die wie ein Schmelztiegel sehr unterschiedliche Stilrichtungen zu dem verband, was wir heute afro-kubanische Musik nennen und diese Elemente als unwiderstehliches «Gewürz» sofort herausspüren. Aber Roberto Fonseca – und das beweist er in Würselen – hat sich in der Hinwendung zu den eigenen Wurzeln deutlich weiterentwickelt.

Zusammen mit leidenschaftlichen Könnern wie Javier Zalba (Klarinette, Flöte, Saxophon), Omar Gonzáles (Bass), den beiden Emilio del Montes (Vater und Sohn, Percussions) und Ramsés Rodriguez (Schlagzeug) ist das ein pures und anspruchsvolles Vergnügen. Die meisten Titel dieses Abends – darunter «Suspiro», «Zamazú» und «70’s» – stammen von Fonseca persönlich.

Gern legt er ein schlichtes Motiv zugrunde, das im Wechsel der Instrumente aufblüht, Ornamente bildet, manchmal sogar einen Rhythmuswechsel erfährt und jedem einzelnen Mitglied seiner Truppe fantasievollen Einsatz abverlangt, um dann wieder zum Ursprung zurückzukehren.

Fonseca bleibt aufmerksam, gibt unmerkliche Einsatzzeichen vom Klavier aus, muntert auf, ist bewegt, begeistert. Doch bei all dem fliegen seine Hände virtuos über die Tasten, die er kaum anschaut, ist sein Spiel stets tragendes Element.

Da spürt man, wie ihn auch die kühleren Farben und Schattierungen des Jazz beschäftigen, wie er sinnliche arabische Elemente («Un congo Arabe») und südamerikanische Zitate einbringt oder amerikanischen Cool Jazz pflegt.

Immer wieder gibt es Gelegenheiten zum «Duell», zeigen er und seine Musiker, wie sie einander schätzen und um die beste Idee, die stärkste Interpretation, die eleganteste Variante ringen. Das macht diesen Abend für ein Publikum spannend, das jedes Solo mit anerkennendem Beifall belohnt und beim raffinierten «Echo-Klatschen», das ihm Fonseca kurzerhand antrainiert, erstaunlich präzise mitmacht.

Nach einer gemeinsamen Zugabe dann der stille Abschied. Auch diesmal legt Fonseca seinen kleinen Lederhut nicht ab, macht sich ganz klein im Lichtkegel, der nur noch sein Klavier umfängt – und man spürt, dass hier etwas Besonderes geschieht.

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