Gipfeltreffen der Brass-Musik
Mai 28th, 2005

Frank Londons Klezmer Brass All Stars , die sich auch “Di Shikere Kapelye” (The Band of Drunks) nennen, treffen auf die beste Brass Band Serbiens - wenn nicht Europas, wenn nicht der Welt.
Frank London und seine Klezmer All Stars bewahren die wahre Legende von Klezmorim aus einer Zeit, bevor Tonaufnahmen existierten, noch vor dem Holocaust und der Entstehung des modernen Staates Israel. Nur wenig ist über dieses illustre wie bedeutende Ensemble des frühen 19. Jahrhunderts dokumentiert, hier ein Gerichtsdokument eines unzufriedenen Kunden, dort eine Anekdote über das Treiben der lautesten “Urban Village Brass Band” zwischen Minsk und Odessa.
Ihre Tanzmusik bildet die Basis des heutigen Klezmerrepertoires: Bulgars, Freylekhs, Khosidls sowie Doynas, Horas und Walzer mit orientalischen Einflüssen. Dem Studium einiger wiedergefundenen Notenblättern der Shikeren Kapelye zufolge, muss ihre Spielweise umwerfend vertrackt und furios gewesen sein. Sie haben berühmte Klezmorim wie Belf’s Romanian Orchestra oder den berühmten Naftulie Brandwein bis hin zu den Epstein Brothers beeinflusst. Und nicht zuletzt auch FRANK LONDON’S KLEZMER BRASS ALLSTARS, einem Zusammenschluß einiger der wichtigsten Klezmer Musiker weltweit.
Die hier versammelten Musiker spielen u.A. in solch wegweisenden Bands wie Brave Old World, Hasidic New Wave, Budowitz oder dem Paradox Trio. Frank London, Gründungs-Mitglied der Klezmatics und der Klezmer Conservatory Band, ist neben John Zorn sicher die schillerndste Figur der Klezmer-Welt. Was auch seine Zusammenarbeit mit solch unterschiedlichen Künstlern wie Itzhak Perlman, John Zorn, LL Cool J oder They Might Be Giants belegt. Susan Sandler ist vermutlich eine direkte Nachfahrin der “Shikeren Kapeleye”, und Mark Rubin gilt als Texas’ “only klezmer/polka/tex-mex wizard”.
Nach dem Motto des großen jüdischen Saxophonisten Stan Getz, der auf die Frage antwortete: “Wie kommt es, daß Sie betrunken so gut spielen können? “Nun, ich übe auch betrunken!”, legen die All Stars los und spielen sich die Seele aus dem Leib.
Boban Markovich und sein legendäres Orchester stehen dem wohl nicht nach.
Weltweit einmalig: Jeden Sommer findet im serbischen Guca das größte Blasmusikfestival der Welt statt. Es handelt sich hier um einen Wettstreit, an dem bis zu 400 Bands gegeneinander antreten, die vorher in lokalen Wettbewerben aus über 800 Gruppen ausgewählt wurden. Der erste Preis, die von den 300.000 Festivalbesuchern bejubelte Goldene Trompete, bringt dem Sieger bis zum nächsten Wettbewerb den erträumten Reichtum. Er wird mit seinem Orchester die besten Auftritte spielen: die größten Hochzeiten und alle anderen wichtigen Feiern. Markovich gewann diesen Wettbewerb die letzten vier Jahre in Folge.
Außerhalb des Balkans würde freilich kaum jemand diese irrwitzige, schnelle, rasende und dann auch wieder endlos traurige Musik kennen, hätte nicht der Regisseur Emir Kustorica zu seinem 4-Stunden-Epos “Underground” mit Markovic’s Orkestar den passenden, überbordenden Soundtrack gewählt, der mittlerweile Kultstatus erlangt hat. Auch wenn sich andere zu Unrecht damit brüsten, die Filmmusiken zu “Underground” eingespielt zu haben: Boban Markovich hat diesen Job erledigt, und niemand Anderes.
Freuen wir uns auf ein Gipfeltreffen der Brassmusik - Balkan goes Crazy…
Rubrik: Brotherhood of Brass
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