ERIC BIBB & North Country Far

Mi, Nov 28, 2012

Eric Bibb

ERIC BIBB & North Country Far

Stell dir vor, du bist ein 11jähriger Junge, musikbegeistert und wissbegierig, und dann käme eines Tages Onkel Bob Dylan vorbei, und raunzte mit Grabesstimme (während er irgendwo in die Ferne schaute): Junge, keep it simple. Vergiss all den modischen Kram. Mach Blues!

Nein, das ist kein süßer Traum eines ambitionierten Folkgitarristen, sondern schlicht und einfach: Eric Bibbs Kindheit. Mitte der 1960er Jahre war das, im schönen Greenwich Village in New York, und Eric Bibb war drauf und dran, in die Fußstapfen seines Vaters Leon als gitarrenbasierter Folksänger zu treten. Mit 16 schon trat er mit profunder Fingerpickingtechnik ausgestattet bei Fernsehshows auf, tauschte Tipps mit seinem Onkel und Miles-Davis-Mitstreiter John Lewis, und lauschte dem schwarzen Bürgerrechtler Paul Robeson (gleichzeitig sein Taufpate). Alles schien bereitet für einen  streitbaren afroamerikanischen Folk- und Bluessänger Eric Bibb.

Doch die endenden 60er Jahre waren in den USA kein einfaches Pflaster, gerade für schwarze Musiker nicht. So sägte Eric Bibb kurzerhand den Ast ab, auf dem er saß, mitsamt Onkel John und Mr. Dylan, und emigrierte 1970 nach: Schweden. Fernab aller amerikanischer Kriegs- und Krisenjahre. Doch auch Schweden sollte für Bibb nicht das allseelig machende Musiker-Eldorado werden. Kurz: Eric Bibb learnt the hard way, richtete sich für einige Jahre in Stockholm als Musiklehrer ein, jammte zwischendurch mit durchreisenden Gitarristen, und begründete so nebenbei die entstehende schwedische Bluesszene mit.

Eric Bibb and North Country Far
Aus jener Zeit stammt auch die Zusammenarbeit Bibbs mit seinen finnischen Kollegen Petri Hakala und Olli Haavisto. Beide gehören schon seit Jahrzehnten zur kleinen, aber gerade deshalb unerhört lebendigen skandinavischen Blues- und Folkgemeinde, in der es durchaus üblich ist, in einem halben Dutzende Bands gleichzeitig zu spielen und nebenbei noch gelegentliche Gigs mit allen möglichen und unmöglichen musikalischen Partnern wahrzunehmen. Ideale Partner für Eric Bibb also! Beide, Hakala wie auch Haavisto, sind genau wie Bibb Multiinstrumentalisten auf allen möglichen Saiteninstrumenten. Hakala gilt als einer der profiliertesten Mandolinenspieler Finnlands, während Haavisto in bester Mad-Professor-Manier ungezählte Aufnahmen mit Steel Guitar und der speziellen Weissenborn-Gitarre aufweisen kann, bei denen selbst Kenner sich irgendwo im mittleren Texas wähnen und nicht im hohen europäischen Norden (dass Haavisto nebenbei auch ein Meister des skandinavischen Humors ist, beweisen Plattentitel wie „Music for bus stops“ von 2002, bei denen man sich in der Tat wünscht, der Bus möge nie kommen, um länger seinen Folk- und Countryimprovisationen zuhören zu können).

Auch Eric Bibb ereilte schließlich Ende der 1990er Jahre – da war er schon nahe den 50 – doch noch internationaler Erfolg. Seine Kooperationen mit Taj Mahal wurden Grammy-nominiert, und internationale Festivals wie das WOMAD oder Glastonbury luden ihn ein, mit großen Kollegen wie Ray Charles oder Etta James zu spielen. Es war dies die Geburtsstunde des gereiften Eric Bibb aus Stockholm, des großartigen Livemusikers und Blues-Folk-Predigers Eric Bibb, als der er bis heute um die Welt tourt. Nur ausgerüstet mit seiner Gitarre (meist derer zwei), einem schwarzen Hut und einer eindringlichen Stimme hat er schon ganze Stadien im Handstreich genommen, und im Trio mit Hakala und Haavisto ergänzt sich dieses Charisma noch um eine gute Portion musikalischer Elektrizität und Spannung. Ihr gemeinsamer Blues ist kein erdiger, rauer wie der eines John Lee Hooker, es ist eher der warme, spirituelle, folk- und gospellastige Deltablues eines Blind Willie Johnson oder eines Ray Charles, gemischt mit sehnsüchtigem skandinavischem Country und Bibbs herzerweichender Stimme. Er ist ein Poet in seinen Songs, der Mr. Bibbs, und ein kluger Beobachter, ganz im Sinne Bob Dylans.

Dies ist wohl auch der Grund, weshalb Bibb, Hakala und Haavisto ihr Trio, mit dem sie aktuell touren, nach einem alten Dylan-Song North Country Far benannten. Im Original heißt es zwar „Girl from North Country Fair“, aber Dylans Aussprache macht daraus sowieso ein „Far“. Und wie anders soll man den eisigen fernen Norden auch bezeichnen, aus dem alle drei kommen. Ganz im Sinne Onkel Bobs, und seines Ratschlags: keep it simple, Junge.

Line-up:

ERIC BIBB – guitar, voc

PETRI HAKALA –  mandolin, guitar and fiddle

OLLI HAAVISTO – Dobro, Weissenborn, Pedal Steel, guitars

Die Tournee:
04.12.2013 Luxemburg, Philharmonie -> Tickets
05.12.2013 Freiburg, Jazzhaus -> Tickets
06.12.2013 Karlsruhe, Jubez -> Tickets
07.12.2013 Jena, Volksbad -> Tickets
09.12.2013 Ingolstadt, Neue Welt (ausverkauft)
10.12.2013 CH-Zürich, Moods -> Tickets
11.12.2013 Darmstadt, Centralstation -> Tickets
13.12.2013 Kreuztal, Stadthalle -> Tickets
14.12.2013 Worpswede, Music Hall -> Tickets
15.12.2013 Hannover, Blues Garage -> Tickets

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